Elf & Ordnung

WM 2026 · WM-Fazit · Dossier-Serie
Teil 2 von 8 · 21. Juli 2026

Der Preis der Größe

Mehr Mannschaften, mehr Spiele, mehr Wege: Die WM 2026 wurde globaler – und verlangte Spielern, Fans und dem Spiel selbst einen hohen Preis ab

48 Mannschaften, 104 Spiele, vier Zeitzonen, Hitze und hohe Ticketpreise: Die größte WM der Geschichte öffnete den Fußball – und überforderte ihn stellenweise mit ihrer eigenen Größe.


Der Preis der Größe

Mehr Spiele, mehr Wege, mehr Hitze, mehr Geld und die Frage, wer am Ende die Rechnung bezahlt

Im ersten Teil dieser Serie stand das Versprechen einer Weltmeisterschaft, die größer werden und durch ihre Größe gerechter sein wollte. Die abschließende Frage lautete, ob dieses Mehr den Fußball reicher machen oder lediglich größer und lauter werden würde.

Die Antwort nach 104 Spielen lautet: beides

Die WM 2026 wurde globaler, vielfältiger und in vielen Momenten tatsächlich reicher. Sie gab Ländern eine Bühne, die sie vorher kaum betreten durften, und schuf Geschichten, die ein kleineres Turnier nicht hätte erzählen können. Aber Größe ist keine kostenlose Zugabe. Sie kommt nie ohne Rechnung. Jedes zusätzliche Spiel beanspruchte Spieler und Zuschauer, Stadien, Verkehrswege, Sicherheitskräfte, Übertragungszeiten und Aufmerksamkeit. Jede neue Möglichkeit brachte eine neue Belastung mit.

Der Preis der Größe stand auf keiner einzelnen Rechnung. Er wurde aufgeteilt: Die Spieler zahlten mit ihren Beinen, die Mannschaften mit Reisezeit, die Fans mit Geld und Aufmerksamkeit und der Fußball gelegentlich mit seiner eigenen Bedeutung. Am Ende blieb sogar die Frage, wie viel Fußball ein Mensch innerhalb von sechs Wochen überhaupt aufnehmen und verkraften kann. Und mal ganz ehrlich: Wer bekommt eigentlich sechs Wochen Urlaub genehmigt?

Vierzig Spiele mehr

Die nackten Zahlen wirkten zunächst wie eine Erfolgsmeldung: 48 statt 32 Mannschaften, 104 statt 64 Spiele. Die Zahl der Teilnehmer stieg um die Hälfte, die Zahl der Begegnungen sogar um 62,5 Prozent.

Vierzig zusätzliche Spiele sind nicht einfach vierzigmal neunzig Minuten mehr Fußball. Sie verändern den Charakter eines Turniers.

Die Gruppenphase allein bestand aus 72 Begegnungen in 17 Tagen. An manchen Tagen folgte ein Spiel auf das nächste, als hätte jemand beschlossen, aus einer Weltmeisterschaft ein Fußballbuffet zu machen: Man durfte von allem kosten, musste sich aber irgendwann eingestehen, dass der Teller schon längst zweimal gefüllt war.

Für die Fernsehzuschauer war es kaum möglich, das Turnier vollständig zu verfolgen. Spiele liefen, während andere noch ausgewertet wurden. Eine Überraschung bekam manchmal nur wenige Stunden Aufmerksamkeit, bevor bereits die nächste begann. Spiele, die früher einen ganzen Turniertag geprägt hätten, verschwanden schneller aus dem Blickfeld als ein vorbeifahrender Zug.

Das neue Sechzehntelfinale verschärfte diesen Effekt. 32 der 48 Mannschaften erreichten die K.-o.-Runde. Zwei Drittel des Teilnehmerfeldes durften nach der Gruppenphase weiterspielen. Das öffnete kleineren Nationen den Weg, nahm der Vorrunde aber stellenweise auch etwas von ihrer alten Härte.

Zugleich veränderte es die taktische Logik der Gruppenphase. Weil neben den ersten beiden Mannschaften auch acht der zwölf Gruppendritten weiterkamen, musste nicht mehr jede Partie mit größtmöglichem Risiko auf Sieg gespielt werden. Taktieren konnte man schon immer. Neu war, dass sich das kontrollierte Ergebnis für deutlich mehr Mannschaften lohnte.

Nicht jede Niederlage bedeutete das Ende, nicht jeder dritte Gruppenplatz das Ausscheiden. Manchmal wurde nicht nur um den Sieg gespielt, sondern auch um die möglichst günstigste Form des Nichtverlierens.

Der Preis dafür war eine Vorrunde, in der nicht jede Partie dieselbe Schärfe besaß. Der Gewinn war eine K.-o.-Phase, in der mehr Mannschaften ihre Geschichte fortsetzen konnten. Kap Verde gegen Argentinien, Deutschland gegen Paraguay oder die Elfenbeinküste gegen Norwegen wären ohne diese zusätzliche Runde nicht Teil derselben K.-o.-Geschichte geworden. Das Sechzehntelfinale gab kleineren Mannschaften eine zusätzliche Bühne in der K.-o.-Phase, die ihnen bei früheren Weltmeisterschaften oft verschlossen geblieben war.

Aber es verlängerte auch den Weg zum Titel. Spanien und Argentinien bestritten jeweils acht statt der früher üblichen sieben WM-Spiele. Was für den Zuschauer nach einer weiteren großen Begegnung klingt, ist für einen Spieler am Ende einer langen Vereinssaison ein zusätzlicher Wettkampf mit höchster Intensität - möglicherweise über 120 Minuten, möglicherweise mit Elfmeterschießen, sicher aber mit Vorbereitung, Regeneration und der nächsten Reise.

Ein Spiel mehr ist eben nicht nur ein Spiel mehr. Es ist eine weitere Belastung, die zu allen vorherigen hinzukommt. Ein immer längerer Weg zum Titel birgt die Gefahr, dass ausgerechnet das Finale nicht mehr wie das Duell der beiden besten Mannschaften wirkt, sondern wie der letzte Kraftakt der beiden übrig gebliebenen.

Ein Kontinent als Spielplan

Diese Weltmeisterschaft fand nicht nur in drei Ländern statt. Sie erstreckte sich über 16 Gastgeberstädte und vier Zeitzonen. Zwischen Vancouver im Nordwesten, Mexiko-Stadt im Süden, Miami im Südosten und New York/New Jersey im Nordosten lag kein kompaktes Turniergebiet, sondern ein Kontinent.

Schon bis zum Ende des Achtelfinals zählte die FIFA 6.310 Transfers von Mannschaften und Material. Darunter waren 270 Ortswechsel zwischen den Spielstätten per Flugzeug oder Straße. Diese Zahlen beschreiben nicht nur eine beachtliche logistische Leistung. Sie beschreiben eben auch ein Problem.

Ein Ruhetag ist nicht derselbe Ruhetag, wenn ein Teil davon mit Auschecken, Fahrt zum Flughafen, Sicherheitskontrollen, Flug, neuer Zeitzone, Bustransfer, Einchecken und dem Versuch vergeht, in einem weiteren Hotelzimmer und einer neuen Trainingsumgebung wieder den eigenen Rhythmus zu finden.

Die Mannschaften reisten nicht unter identischen Bedingungen. Einige bewegten sich innerhalb einer Region, andere legten große Entfernungen zurück. Manche spielten in klimatisierten oder überdachten Stadien, andere unter freiem Himmel. Manche konnten einen Tagesrhythmus halten, andere mussten sich an neue Temperaturen, Luftfeuchtigkeit und Anstoßzeiten anpassen.

Der iranischen Nationalmannschaft wurde aus politischen Gründen von der US-Regierung eine "Sonderbehandlung" verordnet. Das Team musste sein Quartier im mexikanischen Tijuana beziehen und von dort zu seinen drei Gruppenspielen in die Vereinigten Staaten pendeln. Zunächst durfte die Mannschaft jeweils erst 24 Stunden vor einem Spiel einreisen und musste unmittelbar nach der Partie wieder nach Mexiko zurückkehren. Erst vor dem dritten Gruppenspiel in Seattle wurde die Einreise auf 48 Stunden vor dem Anpfiff erweitert - an der Verpflichtung zur sofortigen Abreise änderte sich nichts.

Hinzu kam, dass mehreren Mitgliedern des iranischen Verbandes die Einreise verweigert wurde. Nach Angaben des Verbandes fehlten dadurch wichtige Mitarbeiter aus Organisation und Logistik; insgesamt erhielten 15 Verbandsangehörige kein Visum. Kapitän Mehdi Taremi bezeichnete die daraus entstandenen Reise- und Organisationsbedingungen später als Desaster und äußerte offen den Eindruck, seine Mannschaft sei in den Vereinigten Staaten nicht willkommen gewesen.

Die Vereinigten Staaten begründeten das Verfahren mit Sicherheitsinteressen. Doch eine Fußball-Weltmeisterschaft beansprucht, allen qualifizierten Mannschaften sportlich vergleichbare Bedingungen zu bieten. Wenn der politische Konflikt mit einem Staat dazu führt, dass dessen Spieler später anreisen, sofort wieder abreisen und ohne Teile ihres organisatorischen Personals auskommen müssen, gerät diese Neutralität ins Wanken.

Gerade ein Turnier, das sich als Fest der Völkerverständigung versteht, hätte die Gelegenheit geboten, zwischen einer Regierung, einem politischen Konflikt und einer Fußballmannschaft zu unterscheiden. Stattdessen behandelte der Gastgeber einen sportlichen Teilnehmer wie einen politischen Störfall, vergab damit die Chance, wahre Größe zu zeigen, und näherte sich in großen Schritten der provinziellen Kleingeistigkeit.

Damit wurden nicht nur die Geografie, sondern auch die Politik zu einem Teil des Wettbewerbs.

Auch für die Fans änderte sich das Erlebnis. Bei früheren Turnieren konnte man einer Mannschaft mit Bahn, Bus oder Auto durch ein Gastgeberland folgen. In Nordamerika wurde der Flugplan fast so wichtig wie der Spielplan. Wer mehrere Spiele sehen wollte, benötigte nicht nur Tickets, sondern jede Menge Zeit, eine ausgeklügelte Reisestrategie und ein Budget, das andernorts locker für einen Hausausbau gereicht hätte.

Die Verteilung über viele Städte hatte einen echten Vorteil: Mehr Regionen konnten die Weltmeisterschaft erleben. Menschen in Kanada, Mexiko und den Vereinigten Staaten bekamen Spiele vor die eigene Haustür, ohne quer über den Kontinent reisen zu müssen.

Doch eine Weltmeisterschaft, die zu mehr Menschen kam, wurde gleichzeitig schwieriger für jene, die ihr folgen wollten.

Die Hitze spielte immer mit

Die großen Entfernungen waren planbar. Die Temperaturen waren es grundsätzlich auch.

Schon vor dem Turnier war bekannt, dass bei einer Weltmeisterschaft im nordamerikanischen Sommer in mehreren Regionen mit großer Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit zu rechnen war. In Houston näherte sich das Thermometer bereits vor dem ersten dortigen Spiel der Marke von 100 Grad Fahrenheit, also rund 38 Grad Celsius. Veranstalter richteten klimatisierte Bereiche ein, verteilten Sonnenschutz und versuchten, die Belastung für die Zuschauer zu verringern.

Für die Spieler führte die FIFA in jeder Partie zwei verpflichtende Trinkpausen von jeweils drei Minuten ein, unabhängig davon, ob gerade in texanischer Hitze, unter einem geschlossenen Dach oder bei deutlich angenehmeren Bedingungen gespielt wurde.

Auf das gesamte Turnier gerechnet waren das 208 Unterbrechungen und 624 Minuten fest eingeplanter Pausenzeit - zehn Stunden und 24 Minuten. Dass Fernsehsender solche zuverlässig planbaren Unterbrechungen als zusätzliche Werbefläche "entdeckten", war kaum überraschend. Seriös auf einen weltweiten Erlös hochrechnen lässt sich das allerdings nicht: Märkte, Rechtehalter und Preise unterschieden sich erheblich. Medizinische Vorsorge und kommerzielle Verwertbarkeit fielen hier dennoch erstaunlich bequem zusammen. Abzüglich der Kosten für das getrunkene Wasser. ;)

Der Schutz der Spieler war richtig. Kein Spieler sollte für den ungestörten Spielfluss seine Gesundheit riskieren. Aber die Trinkpausen waren zugleich das sichtbare Eingeständnis, dass die Bedingungen an vielen Orten nicht zum Fußball passten, ohne den Fußball an sie anzupassen.

Sie veränderten zudem den Rhythmus. Mannschaften konnten sich sammeln, Trainer taktische Hinweise geben, Gegner aus einer Druckphase herauskommen. Eine Mannschaft, die gerade das Spiel beschleunigt hatte, musste stoppen. Eine andere, die kaum noch Zugriff fand, bekam eine zusätzliche Gelegenheit zur Neuordnung.

Hier bleibt zunächst die sportliche Feststellung: Die Hitze war kein äußerer Umstand. Sie spielte mit.

Sie beeinflusste Laufintensität, Pressinghöhe, Wechsel, Regeneration und die Fähigkeit, ein hohes Tempo über neunzig oder sogar 120 Minuten zu halten. Wer diese Weltmeisterschaft taktisch beurteilt, darf die klimatischen Bedingungen nicht wie eine Randnotiz behandeln.

Die teuerste Form der Inklusion

Auch für die Zuschauer hatte die Größe ihren Preis - und diesmal war das Wort wörtlich zu verstehen.

Die FIFA setzte erstmals umfassend auf dynamische Ticketpreise. Je größer die Nachfrage, desto höher der Preis. Gruppenspiele kosteten in vielen Kategorien mehrere hundert Dollar, Finaltickets erreichten fünfstellige Beträge. Nach öffentlicher Kritik wurden zwar begrenzte Kontingente günstiger Karten angeboten, doch sie änderten wenig am grundsätzlichen Eindruck.

Diese Weltmeisterschaft wollte inklusiver sein, aber der Zugang zum Stadion wurde für viele Menschen exklusiver. Der Fußball ist für alle da. Der Sitzplatz im Stadion wird bei dieser Entwicklung zunehmend zum Privileg derer, die ihn sich leisten können.

Zum Ticket kamen Flüge, Hotels, Verpflegung und die weiten Wege zwischen den Städten. Für einen Fan aus Kap Verde, Argentinien, Deutschland oder Frankreich war nicht allein die Reise nach Nordamerika teuer. Wer seiner Mannschaft folgen wollte, musste bei jeder Runde erneut kalkulieren, wohin der Turnierbaum sie schicken würde und ob das Budget noch reichen würde. Das frühe deutsche Turnieraus dürfte immerhin so manchen deutschen Dispo geschont haben.

Trotzdem waren die Stadien voll. Bis zu den Halbfinals kamen mehr als 6,6 Millionen Zuschauer, die FIFA meldete eine Auslastung von 99,7 Prozent. Das war ein gewaltiger Erfolg und zeigte, welche Anziehungskraft dieses Turnier besaß.

Volle Stadien beweisen jedoch nicht, dass ein Ereignis für alle zugänglich war. Sie beweisen zunächst nur, dass sich genügend Menschen fanden, die den verlangten Preis bezahlen konnten.

Die Fan-Feste und öffentlichen Veranstaltungen öffneten das Turnier für Millionen Menschen außerhalb der Arenen. Dort konnte die Weltmeisterschaft tatsächlich breiter erlebt werden. Doch zwischen dem gemeinsamen Fest auf einem Platz und dem Besuch eines WM-Spiels entstand eine immer größere soziale Entfernung.

Zu groß, um vollständig erinnert zu werden?

Eine Weltmeisterschaft lebt nicht nur von dem, was stattfindet. Sie lebt von dem, was in Erinnerung bleibt.

Bei 104 Spielen entsteht eine merkwürdige Überfülle. Es gab mehr Tore, mehr Geschichten, mehr Überraschungen und mehr Gesichter. Aber das menschliche Gedächtnis wächst nicht gemeinsam mit dem Spielplan. Der Spielplan wuchs um 62,5 Prozent. Die menschliche Erinnerung bekam kein entsprechendes Update.

Welche Gruppenbegegnung bleibt in vier Jahren noch präsent? Welche starke Leistung verschwand, weil am selben Tag drei weitere Spiele folgten? Welche Mannschaft hatte ein bemerkenswertes Turnier, ohne genügend Zeit zu bekommen, zu einer großen Geschichte zu werden?

Größe kann Bedeutung erzeugen. Sie kann Bedeutung aber auch verdecken.

Die WM 2026 war ein Ereignis, in dem fast immer irgendwo Fußball stattfand. Das klang vor dem Turnier wie ein Traum. Im Verlauf der Wochen wurde daraus gelegentlich eine Art Dauerbeschallung. Die Anpfiffe folgten so schnell aufeinander, dass kaum Zeit blieb, den vorherigen Abpfiff einzuordnen.

Gerade eine Fußballweltmeisterschaft sollte mehr sein als eine endlose Abfolge von Spielen. Ihre Stärke liegt in packenden Begegnungen mit gemeinsam erlebten Höhepunkten und in der Zeit danach, in der aus einem großen Spiel eine Erinnerung wird, die nie wieder ganz verschwindet.

Die Größe war nicht der Fehler

Trotz all dieser Einwände wäre es zu einfach, die Erweiterung als Irrtum abzuschreiben.

Ohne 48 Mannschaften hätte Kap Verde diese Bühne möglicherweise nicht betreten. Ohne die größere Zahl an Gastgeberstädten hätten Millionen Menschen das Turnier nicht in ihrer Region auf diese Art erleben können. Ohne das Sechzehntelfinale wären einige der spannendsten Geschichten früher beendet gewesen oder gar nicht erst entstanden.

Die WM funktionierte organisatorisch erstaunlich gut. Die Stadien waren voll, neue Länder wurden sichtbar und das Turnier blieb trotz seiner Ausmaße sportlich nicht bedeutungslos. Die Größe lieferte genau jene Vielfalt, die sie versprochen hatte.

Der Preis der Größe bestand deshalb nicht in einer einzigen großen Fehlentscheidung. Er setzte sich aus vielen kleineren Rechnungen zusammen: einem zusätzlichen Spiel, einem weiteren Flug, einer ungünstigen Anstoßzeit, einer unbezahlbaren Eintrittskarte und einer Geschichte, die schon von der nächsten verdrängt wurde.

Der Fehler lag nicht darin, größer zu werden. Der Fehler lag in der Vorstellung, Größe habe keinen Preis.

Wer mehr Mannschaften einlädt, muss ihnen faire Reisewege und ausreichende Erholung ermöglichen. Wer in großer Hitze spielen lässt, muss den Spielplan stärker an den Bedingungen als an den besten Sendezeiten ausrichten. Wer von Inklusion spricht, darf Eintrittskarten nicht behandeln wie seltene Luxusgüter. Wer 104 Spiele veranstaltet, muss darüber nachdenken, wie jedes davon sportliches Gewicht behalten kann.

Die Lehre dieser Weltmeisterschaft sollte deshalb nicht lauten, wieder kleiner zu werden. Sie sollte lauten, Größe besser und fairer zu organisieren.

Regionalere Spielpläne, weniger Ortswechsel, klimatisch vernünftige Anstoßzeiten, nachvollziehbare Ticketpreise und ein Format, das den zusätzlichen Teilnehmern Sichtbarkeit gibt, ohne den Wettbewerb zu verwässern: Das wäre keine Rückkehr zur alten WM. Es wäre die Weiterentwicklung der neuen.

Die WM 2026 bewies, dass ein größeres Turnier reicher sein kann. Sie bewies aber ebenso, dass der Fußball nicht automatisch mitwächst, nur weil der Veranstaltungskalender länger wird.

Was die Größe dem Turnier abverlangte, war damit sichtbar. Die nächste Frage richtet sich an das Spielfeld selbst:

Welcher Fußball entstand unter diesen Bedingungen - und warum gewann am Ende Spanien?

Redaktionelle Bearbeitung: ji · Elf & Ordnung

Quellen und Bezugspunkte